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Elektrofischen: Fotoreportage im Wasser

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Regnerisches Wetter. Mit der Fotoausrüstung in einem bis über den Bauchnabel tiefen Gewässer umherwaten. Und das Wasser wird obendrein auch noch unter Spannung gesetzt.
Das war für mich als Fotograf ein etwas gewöhnungsbedürftiges Szenario, in dem ich mich vergangene Woche wiederfand. Wie war ich da hineingeraten?

Die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. ist ein großer und einflussreicher Verein mit Sitz in Hannover.
Der Verein ist sich der starken Außenwirkung hochwertiger Fotos bewusst und möchte seine Aktivitäten zukünftig professionell dokumentieren lassen. Zu diesem Zweck hat die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. eine Zusammenarbeit mit mir als Fotograf begonnen.

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Das erste fotografische Projekt befasste sich vergangene Woche mit dem Thema Elektrofischen.
In einem extensiv bewirtschafteten Waldgebiet bei Nienburg (Weser) sollte der Tierbestand eines Bachlaufs analysiert werden. Aufgrund der ungewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen vor Ort ist dieses Gewässer ein potentielles Refugium für seltene Tierarten.

Bei diesem Projekt wurde die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. unterstützt von Fachleuten des Landessportfischerverbands Niedersachsen e.V., die über die erforderliche technische Ausstattung verfügen.

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Beim Elektrofischen wird im Wasser ein Gleichstrom erzeugt, durch den Fische direkt in den Käscher gelockt und betäubt werden.
Der Käscher steht also unter Strom und hinter dem Mitarbeiter des Landessportfischerverbands gleitet im Wasser ein langes Kabel entlang, dessen Ende ebenfalls unter Strom steht.
Eines wurde mir vor Beginn des Fototermins unmissverständlich mitgeteilt: nicht die Kathode, also dieses Kabel berühren!

Nun stand ich also in einer Wathose am Ufer des Gewässers. Das Wasser war trübe, der Grund nicht zu erkennen.
Mit der Fotoausrüstung in den ausgestreckten Händen ließ ich mich zunächst in das Wasser gleiten und steckte erst einmal mitten im Schlamm fest.
Direkt vor mir begann im selben Augenblick das Elektrofischen, irgendwo vor mir oder um mich herum musste also bereits die mehrere Meter lange Kathode im trüben Gewässer herumtreiben.

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Sich mit nach oben gestreckten Armen aus dem Schlamm zu befreien und vorwärts zu marschieren, ohne vollständig ins das Wasser zu kippen, ist eine heikle Angelegenheit. Wenn da nicht auch noch die Kathode gewesen wäre…
Ich war mir sicher, das kann nicht gut gehen und stapfte vorsichtig los.

Nach einigen Metern begann ich mit den ersten Fotoaufnahmen.
Eine Möglichkeit, meine Situation zu verbessern, lag für mich auf der Hand: ich musste vor den Käscher kommen. Dort gibt es erstens die besten Fotomotive und zweitens treibt dort die Kathode nicht umher.
Meine aufkeimende Hoffnung wurde jedoch gleich im Keim erstickt. Vor dem Käscher dürfe ich nicht im Wasser waten, sonst würde ich den Schlamm aufwirbeln und dadurch die Sicht erschweren. Außerdem würde ich alle Fische, Krebse und weiteren Tiere vertreiben. Dieser Einwand machte die fotografische Herausforderung nicht leichter.

Nach etwa 10 Minuten hatte ich mich an meine neue Situation gut gewöhnt und stapfte schon recht sicher durch das Wasser.
Um wirkungsvolle Aufnahmewinkel zu erhalten, musste ich oft am Ufer entlanggehen, das auf Grund der extensiven Bewirtschaftung mit dichtem Gestrüpp und Brennesseln gesäumt war.
Nach kurzer Zeit machten mir jedoch die Unwegsamkeit des Geländes, der tiefe Schlamm im Wasser und diese anfangs etwas bedrohlich wirkende Kathode nichts mehr aus.

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Wir untersuchten insgesamt 3 Stunden lang die Fauna des Bachlaufs, fanden zahlreiche Fische, Krebse und weitere Tierarten.
Trotz der etwas widrigen Umstände entstand eine abwechslungsreiche und stimmungsvolle Fotoreportage, die dieses Projekt des Landesjägerverbands Niedersachsen e.V. wirkungsvoll illustriert.

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